Salutogenese: Gesundheit bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krankheit

Im Allgemeinen wird der Gesundheitszustand des Menschen über die Abwesenheit von Krankheit definiert. Dementsprechend bedeutet „gesund sein“ in etwa „weniger krank“ zu sein. Das Risikofaktorenmodell ist das bekannteste Modell der Einstufung von Krankheit und Gesundheit. Die hierbei gebrauchte Pathogenese beschreibt die Entstehung und die Faktoren von Krankheit. Die Aufmerksamkeit wird somit hauptsächlich auf die Krankheit gelenkt und auf eine schnelle Lösungsmöglichkeit, diese zu reduzieren, um den „Normalzustand“ wieder herzustellen. In den letzten Jahren wurde dieses Modell jedoch teilweise aufgrund der einseitigen Betrachtungsweise infrage gestellt. Beispielsweise gehöre mehr zu einer Gesundheitssportgruppe, als in Sportbekleidung körperliche Übungen zu machen und sich darauf zu verlassen, dass der Therapeut die Schmerzen lindert.

Somit übernimmt mehr und mehr das Salutogenesekonzept von Aaron Antonovsky die Führung im Gesundheitswesen. „Warum bleiben Menschen- trotz potentiell gesundheitsgefährdender Einflüsse- gesund?“ ist nur eine der Fragen, welche die Salutogenesemodell stellt. Das Herzstück dieses Modells bildet das Kohärenzgefühl (SOC). Es beschreibt ein übergeordnetes Steuerprinzip, welches dem Menschen hilft eine „gesunde“ Einstellung zu erlangen und so mit der Welt in Stimmigkeit zu leben. Durch ein hoch ausgeprägtes Kohärenzgefühl gelingt es dem Menschen, seine zur Verfügung stehenden Ressourcen zu nutzen, um auch problematische Lebenssituationen erfolgreich zu meistern und die Gesundheit zu erhalten. Dazu gehört unter Anderem die Einstellung, den Stressoren des Lebens gewachsen zu sein und sie dementsprechend zum eigenen Vorteil zu nutzen. Zum Kohärenzgefühl gehören drei Komponenten: Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Bedeutsamkeit. Die erste Komponente beinhaltet, inwiefern der Mensch bereit ist seine Ressourcen anzuerkennen und zu nutzen. Bei hoher Ausprägung der Verstehbarkeit, kann im besten Fall der Mensch zukünftigen Lebenssituationen kontrolliert entgegensteuern. Die zweite Komponente beinhaltet die Handlungsfähigkeit des Menschen, die zur Verfügung stehenden Ressourcen auch zu nutzen. Dies wäre z.B. die Situation in einer Sportgruppe, bei welcher der Teilnehmer seine einzige Aufgabe nicht nur darin sieht Sportschuhe und Sporthose mitzubringen, sondern selbst etwas für die eigene Gesundheit zu tun (Selbstverantwortung übernehmen). Die dritte Komponente beschreibt die Einstellung des Menschen zur Welt und seinen darin alltäglich vorkommenden Stressoren. Der Mensch sollte das Leben mit seinen Anforderungen als sinnvoll betrachten. Folglich sollte der Patient es als sinnvoll erachten zu den Sportgruppen zu gehen und dies auch hinreichend ernst nehmen.

Die drei Komponenten stehen in Wechselbeziehung zueinander. Bei „guter“ Ausprägung entwickelt sich ein Kohärenzgefühl, welches –nach Antonovsky- einen direkten positiven Einfluss auf die eigene Gesundheit hat.

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